1 Über das Lehrprojekt
Dieser Abschnitt bezieht sich auf den Projektantrag aus dem Jahr 2024. Inwiefern alle Projektziele erreicht werden konnten, kann in den folgenden Kapiteln aus der Dokumentation des Projekts heraus nachvollzogen werden.
1.1 Zusammenfassung
In dem Lehrprojekt durchleben Studierende des Mathematiklehramts den Prozess der Schulbucherstellung samt wissenschaftlicher Begleitung. Basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und selbst durchgeführten kleinen Studien werden zunächst Kriterien an gute Mathematikschulbücher herausgearbeitet. Anschließend werden diese exemplarisch an einem Lerngegenstand in die Erstellung eines Schulbuchkapitels überführt. Über die Erprobung an Schulen werden in mehreren Entwicklungszyklen sowohl die Designprinzipien ausgeschärft als auch das Schulbuchkapitel überarbeitet. Das so entwickelte Material wird als freie Bildungsressource zur Verfügung gestellt und steht damit bspw. auch Verlagen für die weitere Verwendung offen.
1.2 Ziele des Projekts
Die Auswahl und Nutzung von Mathematikschulbüchern ist eine bedeutsame Aufgabe von Lehrkräften, worauf auch das Lehramtsstudium intensiv vorbereitet. Doch woher kommen diese Bücher? Wer erstellt sie? Wie sieht der Prozess aus und welchen Einfluss kann man als Lehrkraft auf die Gestaltung von Schulbüchern haben? Diese »Blackbox« soll im Rahmen eines Forschungsseminars geöffnet werden und die Studierenden werden in die Lage versetzt, Aspekte der Schulbuchgestaltung selbst zu erleben. Blickt man aus der Verlagsrealität auf die Schulbuch-Situation, so werden diese häufig unter einem großen Zeitdruck und vielfältigen nicht-fachdidaktischen äußeren Umständen erstellt. Die Autorinnen und Autoren kommen zwar meist aus der Unterrichtspraxis, aber wurden für die spezifische Aufgabe der Schulbuch-Erstellung nicht gesondert ausgebildet. Das Lehrprojekt bietet hierzu die Möglichkeit, sowohl aus theoretischer Perspektive zu überlegen, was ein »gutes Mathematik-Schulbuch« ausmacht, als auch in die konkrete Realisierung zu gehen und diese dann wieder zu evaluieren. Über mehrere Zyklen eines Design-Based-Research-Ansatzes können im vierstündigen Seminar Schulbuchtexte erstellt, diese mit Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften erprobt und dann weiterentwickelt werden. Damit erleben die Studierenden einerseits einen konkreten Kompetenzzuwachs hinsichtlich der »Autorenschaft« von Schulbüchern und sind andererseits – selbst wenn sie später keine Schulbücher schreiben möchten – vielmehr in der Lage, die Qualität existierender Schulbücher zu beurteilen.
1.3 Arbeitsplan
Das entsprechende Forschungsseminar (4 SWS) findet im Sommersemester 2025 in der Vorlesungszeit statt. Im Wintersemester 2025/26 findet die Aufbereitung der erstellten Materialien statt. Weiterhin können in dieser Zeit Masterarbeiten, die aus dem Projekt heraus entstehen, vergeben werde. Das gesamte Projekt soll durch eine/-n studentische/-n Beschäftigte/-n (stud.B.) unterstützt werden. Über einen Gastvortrag und über die Zusammenarbeit mit einer Schule werden Forschungs- und Praxisausblicke gegeben. Folgender Zeitplan ist vorgesehen:
- 03/25 (mit stud.B.): Vorbereitende Recherchen zu Qualitätskriterien von Mathematik-Schulbüchern 04/25 (im Seminar): Erarbeitung „Was sind gute Mathematik-Schulbücher?“ (Theorie-basiert sowie Befragung von Lehrkräften); Gastvortrag Sebastian Rezat (Universität Paderborn)
- 05/25 (im Seminar): exemplarische Entwicklung eines Schulbuch-Kapitels
- 06/25 (im Seminar): Entwicklung eines Erprobungsverfahren, Durchführung der Erprobung
- 07/25 (im Seminar): Überarbeitung des Schulbuch-Kapitels, ggf. weitere Erprobung
- 08–09/25 (Modulprüfung): Darstellung des Entwicklungsforschungsprozesses in Hausarbeit
- 09/25: Vorstellung besonders gelungener Ergebnisse durch Studierende auf einer Arbeitskreistagung in der mathematikdidakt. Community
- 10/25-02/26 (mit stud.B.): Aufbereitung der entwickelten Schulbuch-Materialien als OER und Publikation zu lokalen Theorien der Schulbuchgestaltung; Möglichkeit des Schreibens von Masterarbeiten
1.4 Wirksamkeitsprüfung
Die von den Studierenden erstellten Materialien werden, ggf. nach entsprechender qualitativer Überarbeitung, online als offene Bildungsressourcen zur Verfügung gestellt. So haben sowohl die Projektbeteiligten als auch externe Personen die Möglichkeit, die Ergebnisse zu nutzen. Auch Schulbuchverlage könnten, dank einer entsprechend offenen Lizenz, die Materialien aufgreifen und weiterverwenden. Soweit möglich, wird die Verwendung der Materialien durch Externe dokumentiert.
Der Kompetenzzuwachs und das Kompetenzerleben der Studierenden wird über mehrere Maßnahmen überprüft:
Die Hausarbeiten der Studierenden werden hinsichtlich der in der Veranstaltung auszubildenden Kompetenzen hin überprüft. Dies betrifft insbesondere die Qualität der entwickelten Materialien als auch die Darstellung des Entwicklungsforschungsprozesses.
Die Studierenden werden am Ende der Veranstaltung bezüglich ihres persönlichen Kompetenzerlebens befragt. Weiterhin werden Sie gebeten, den Nutzen der Veranstaltung bezüglich ihrer späteren beruflichen Tätigkeit zu beurteilen.
Die für die o.g. Befragung benötigten Daten werden vsl. qualitativ erhoben und die Ergebnisse übersichtlich aufbereitet und zur Verfügung gestellt.
Weiterhin wird die Gesamtkonzeption des Seminars dokumentiert und innerhalb der mathematikdidaktischen Community zur Diskussion gestellt (bspw. im Rahmen der Jahrestagung der GDM im Minisymposium »Schulbücher und andere curriculare Ressourcen«).