7 Praxiseindrücke
Um weitere Praxisbezüge herzustellen, wurde im Rahmen des Seminars eine Lehrkraft zu einer Plenumsdiskussion eingeladen. Zu Beginn ist festzuhalten, dass die Lehrkraft Schulbücher prinzipiell wichtig findet, wenngleich die Bücher, die derzeit zur Verfügung stehen, ihrer Meinung nach nicht den Anforderungen an modernen Mathematikunterricht erfüllen.
Ihre Kritik an Schulbüchern bezieht sich auf verschiedenen Elemente. Die sogenannten Merksätze werden beispielsweise kaum genutzt, da sie einerseits zu schnell nach den Entdeckungs-/Einstiegsseiten kämen und teils zu ungenau seien. Es sei üblich, dass hier auf eigene Formulierungen bzw. Konkretisierung der Lehrbuchsätze zurückgegriffen werde. Auch bei den Übungsaufgaben gäbe es Verbesserungsbedarf: Lerngruppen sind zumeist sehr leistungsheterogen, sodass in dieser Dimension differenziert werden muss. Leider seien weder Lernziele, noch Schwierigkeitsgerade der einzelnen Aufgaben durchweg transparent.
Ein Schulbuch könnte der Meinung der Lehrkraft nach besser unterstützen, wenn etwas mehr Material bereitgestellt wird. Bücher, die Vorlagen für Arbeitsblätter, Lernlandkarten oder Materialien für bestimmte Methoden liefern seien wünschenswert. Zwiegespalten ist sie allerdings, was Arbeitshefte angeht. Zwar sind diese eine gute Quelle für Aufgaben, die nicht im Lehrbuch vorkommen, allerdings geben sie meist auch viel an Struktur vor. Die Lehrkraft befürchtet, dass Schüler:innen die Kompetenz verlieren, Lösungswege sinnvoll aufzubauen.
Trotz der genannten Defizite, nutzt auch das Kollegium der Lehrkraft ein Schulbuch. Dieses wird von der Fachschaft in gemeinsamen Sitzungen diskutiert und ausgewählt. Die Auswahl des derzeitig genutzten Buches wird gegenüber anderen Büchern damit begründet, dass
- die Merksätze als besser (präziser) wahrgenommen werden,
- ein größerer Fokus auf Aufgaben im Anforderungsbereich III und weniger auf Basisaufgaben gelegt wird,
- Sprache und insbesondere Fachsprache explizit thematisiert und trainiert werden,
- GeoGebra-Anwendungen über QR-Codes eingebunden werden und
- es sehr viele Möglichkeiten zur Differenzierung gibt (z. B. verschiedenen Trainingsrunden oder »Am-Ziel?«-Aufgaben).