A Exkurse

A.1 Slow Design

De Lange (2015) unterscheidet zwei Arten des (pädagogischen) Design Prozesses: slow design und fast design. Wobei das slow design „ein auf der Entwicklungsforschung basierendes Verfahren, das sich an den Grundsätzen hoher Qualität und nachgewiesener Wirksamkeit orientiert“ (De Lange, 2015, S. 289) auszeichnet und nur unter der Bedingung einiger Freiheiten möglich ist: Freiheit bei der Wahl dessen, was gestaltet werden soll, Freiheit in der Zeit, Freiheit des Denkens und Freiheit zur Erforschung mit gewissen Einschränkungen entsprechend den kontextuellen und theoretischen Bedingungen. Dem fast design schreibt er hingegen die Notwendigkeit für schnelle Produkte sowie eine starke Marktorientierung zu, was die Gefahr birgt, dass dem Aussehen des Designs ein höherer Stellenwert gegenüber der Qualität des Inhalts beigemessen wird. Er verdeutlicht die Notwendigkeit umfassender Designprozesse, die sowohl den wissenschaftlichen als auch den künstlerischen Aspekten des task-design gerecht werden können. Das Spannungsverhältnis zwischen Design als Wissenschaft und Design als Kunst ist nicht leicht zu lösen, wenn es überhaupt gelöst werden kann, und unterstreicht ein Überdenken der Zeit, die für das task-design in der Bildungsforschung und in Lehrplaninnovationsprojekten vorgesehen ist. Er beschreibt persönliche Leitlinien für den Designprozess im slow design — mit der Anmerkung diese nicht zu ernst zu nehmen, sondern sie eher als „Leitfaden durch das Chaos des Bildungsdesigns“ anzusehen — folgendermaßen (De Lange, 2015, S. 290–292):

Themenwahl, Dauer und Schwierigkeitsgrad

  • Wähle ein Thema, das dich interessiert. Eine emotionale Verbindung stärkt Selbstvertrauen, fördert Kreativität und kann zu innovativen Ergebnissen führen. Halte die Einheit kurz und fokussiert für bessere Kohärenz.

Didaktische Skizze und Ablaufplanung

  • Erstelle einen groben Ablaufplan basierend auf deiner didaktischen Vision. Deine pädagogische Haltung beeinflusst stark den Aufbau – z.B. „zeigen und üben“ vs. „erkundend lernen“. Ein durchdachtes Konzept schafft Struktur und gibt dem Design Tiefe.

Nutze Intuition

  • Intuition ist ein unterschätztes, aber wertvolles Werkzeug. Sie hilft beim Einstieg, beim Aufbau motivierender Übergänge und bei der Entdeckung interdisziplinärer Verbindungen – vorausgesetzt, du verstehst das Konzept gut.

Wahl des Konzepts

  • Ein mathematisches Konzept sollte aus einer konkreten Situation heraus verständlich gemacht werden. Diese Situation muss eine sinnvolle Mathematisierung erlauben – d.h. das Konzept sollte darin natürlich eingebettet sein.

Wahl des Kontexts

  • Vermeide künstliche oder unrealistische Kontexte. Gute didaktische Designs nutzen authentische, lebensnahe Situationen, in denen Mathematik sinnvoll angewendet wird.

Inspiration durch assoziatives Denken

  • Nutze gezieltes „zufälliges“ Suchen – z.B. über Google Images oder durch Stöbern in Bibliotheken – um neue Ideen zu entwickeln. Visuelle Reize oder Buchtitel können kreative Prozesse anstoßen und zu überraschenden Entdeckungen führen.

Design verfeinern

  • Überarbeite dein Design: Achte auf Kontinuität, Gleichgewicht und setze einen persönlichen Akzent. Prüfe Visualisierungen, klare Sprache und mögliche Gender-Probleme. Danach: Feedback einholen, offen bleiben, aber selbst entscheiden.

References

De Lange, J. (2015). There Is, Probably, No Need for This Presentation. In A. Watson & M. Ohtani (Hrsg.), Task Design In Mathematics Education: an ICMI study 22 (S. 287–308). Springer International Publishing. https://doi.org/10.1007/978-3-319-09629-2